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Das von der kantonalen Denkmalpflege als "schönstes Aargauer Bürgerhaus" aus dem 18. Jahrhundert bezeichnete Haus am Bleicherain 7 in Lenzburg wurde um 1780 von Gottlieb Hünerwadel erbaut. Er verpflichtete einen der renommiertesten Architekten des alten Bern, Carl Ahasver von Sinner (Architekt des heute für Staatsempfänge genutzten Landsitzes "Lohn" bei Bern). Am Bleicherain entstand ein in seinen Dimensionen ungewohntes frühklassizistisches Gebäude, das einem Patriziersitz ähnlich sieht, aber auch als Geschäftshaus genutzt wurde. In den mächtigen Kellergewölben befand sich die Ferggerei, wo die unverarbeitete Baumwolle bezogen und das fertige Tuch abgeliefert wurde. Im Parterre war das Kontor untergebracht, und in der Beletage befanden sich herrschaftliche Wohnräume. Ende des 18. Jahrhunderts, der Blütezeit des Hauses, standen bäuerliche Heimarbeiter von der Innerschweiz bis zum Schwarzwald im Dienste der Hünerwadel. Prominente Gäste gingen hier ein und aus, unter diesen der vertriebene König Gustav IV. Adolf von Schweden.
Nach dem wirtschaftlichen Niedergang wechselte das Haus mehrfach die Hand, bis es zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den Besitz der Familie Müller gelangte und dessen Parterre-Räumlichkeiten fortan als Arztpraxis genutzt wurden. Das Haus war unter dem Ehepaar Dr. Hans und Anna Müller-Gallmann und den Geschwistern Gertrud Müller und Dr. Paul Müller (1894 bis 1976) ein kulturelles Zentrum der Kleinstadt. Hier verkehrten u. a. Paul Klee, der deutsche Bundespräsident Theodor Heuss. Hermann Hesse und Albert Schweitzer waren in regem Briefkontakt mit den Müllers verbunden. Eine Bildersammlung wertvoller expressionistischer Werke wurde zusammen getragen. Sie gelangte als Schenkung an ein Museum in Ascona. 1987 errichteten Dr. Hans Müller (1897 bis 1989) und Gertrud Müller (1901 bis 2001) eine Stiftung und schenkten damit das prächtige Haus der Öffentlichkeit.
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